Erinnerung an eine Unbeugsame: Elena Gremina und „67/871“

Elena Gremina

Vor einem Jahr ist Elena Gremina gestorben. Wir erinnern uns an diese kraftvolle, inspirierende Persönlichkeit, die das Teatr.doc in Moskau gegründet hat.

Sie war die Autorin unseres Stücks „67/871“, das Drama Panorama gemeinsam mit dem Teatr Pokoleniy in St. Petersburg entwickelt hat.

Sie war nicht nur die Autorin, sondern auch eine Freundin, die uns dabei beraten hat, wie wir uns dieser schweren Thematik der Leningrader Blockade mit einem deutsch-russischen Ensemble annähern können. Wir vermissen ihre direkte und inspirierende Art und erinnern uns an unser Gastspiel im Sommer 2018 im Teatr.doc, das überschattet war von ihrem viel zu frühen Tod. Wir möchten ihrer hier noch einmal gedenken. Ohne sie wäre das Stück „67/871“ nie zu dem geworden, was es ist – eine russisch-deutsche Begegnung auf Augenhöhe, die in beiden Ländern starke Emotionen und Reaktionen hervorgerufen hat und weiter hervorruft.

871/67 – Tragödie und Mythos

Im Herbst 2019 wird das Stück in Stralsund zu sehen sein, bei den Heidelberger Theatertagen und noch einmal im Theater unterm Dach in Berlin, wo es im September 2017 Premiere hatte. In St. Petersburg gehört „67/871“ ohnehin zum Repertoire des Teatr Pokoleniy.

Bei allen Aufführungen ist Elena Gremina in Gedanken immer bei uns. Nie ein Blatt vor den Mund zu nehmen, war ihr Lebensmotto. Und so wollen wir es halten bei unseren Aufführungen: in Deutschland, wo die Leningrader Blockade nicht Schulstoff ist und viel zu wenige Menschen wissen, dass über eine Millionen Menschen in 871 Tagen der Belagerung durch die Wehrmacht ermordet worden sind; und nicht in Russland, wo die Zeit der Blockade längst in einen Heldenmythos umgedichtet worden ist und wo man nicht fragen darf, warum man die Stadt nicht aufgegeben, sondern derart viele Opfer in Kauf genommen hat.

Elena Gremina kannte keine Angst, hat immer ihre Meinung gesagt. Das hat unsere Arbeit geprägt. Auch deshalb sind wir sind sehr glücklich, dass das Stück in diesem Jahr für die Goldene Maske, den wichtigsten russischen Theaterpreis nominiert wurde. Eine große Ehre für dieses kleine Drama-Panorama-Projekt.

https://www.novayagazeta.ru/articles/2019/05/16/80533-zhena-i-avtor-doc

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