Die erste Textwerkstatt von Drama Panorama: LULÚ von Bezerra

Pünktlich zum Frühlingsbeginn am 21. März 2018 wird gleichzeitig die erste Werkstatt in der Reihe mit gewisser Feierlichkeit, gewohnt professionell und krankheitsbedingt ein wenig familiär begangen. Wir sind zu sechst, eine gute Anzahl für konzentrierte Arbeit.

Die Übersetzerin Franziska Muche führt kurz in Autor und Text ein (LULÚ von Paco Bezerra), erwähnt auch seine Entstehungsgeschichte (Auftragsarbeit des Theaters) und -umstände, soweit sie bekannt sind. Sie referiert über die Konzeption und die in diesem Fall verwendeten Quellen. Es handelt sich um einen Text, der die Geschichte der biblischen Figur Lilith aufgreift und in einen heutigen, spanischen Zusammenhang stellt: ein Obstbauer auf dem Land mit seinen beiden Söhnen, eine rätselhafte Frau, eine Schlange, ein Pastor.

Besondere Herausforderungen bieten die Bibelstellen im Text. Sind sie vom Autor sauber zitiert? Woher? Wie geht man mit der Übersetzung um? Welche Bibelübersetzung nimmt man? Oder mischt man die Quellen? Wie geht man mit Abweichungen um? Der Autor verwendet an einer Stelle das Wort Lehm, wo es in den spanischen Bibelübersetzungen aber stets „polvo del suelo“ oder „polvo de la tierra“ heißt. Wie ist mit solchen Abweichungen umzugehen?

Wir fragen die Übersetzerin nach den unterschiedlichen Sprachregistern in der Übersetzung: sind die auch so im Original vertreten? Wofür stehen die? Ist das präzise durchdacht vom Autor? Wie ist im Deutschen damit umzugehen? Wir überprüfen die unterschiedlichen Register – Mündlichkeit bzw. Literatizität – in der Sprache der Figuren: Ist das im Original so ausgearbeitet? Kann oder soll die Übersetzung das hervorheben?

Wir befinden, dass es hervorragend ist, wenn sich die Werkstatt gemischt zusammensetzt aus Originalsprachlichen und Nichtkundigen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Zieltext, aber dennoch sind Fragen nach dem Ausgangstext zuweilen dienlich. Wir stellen fest, dass sich bei Werkstätten ausschließlich mit Sprachkundigen die Gefahr besteht, dass man sich in Detailfragen verzettelt.

Zum Abschluss sprechen wir, da es die erste Werkstatt ist, auch über Organisatorisches: Wo soll die nächste Werkstatt stattfinden? Wie wollen wir die vorbereiten? Wer übernimmt die, wer möchte seinen oder ihren Text besprechen?

Diese Zielsetzungen fassen wir vorerst für die Reihe zusammen:

  1. Texte werden vollständig verschickt (soweit sie vorliegen)
  2. Fragliche und zu behandelnde Stellen werden angegeben
  3. Orientierung am Zieltext
  4. Fragestellungen der Kundigen der Ausgangssprache zum Original
  5. Entscheidungen müssen nicht getroffen werden, vielmehr werden mögliche Bedeutungsebenen und Lösungen besprochen und der Übersetzerin an die Hand gegeben

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