Drama Panorama bei der Leipziger Buchmesse

Kleines Kalendarium

20.03.2019 20 Uhr Pöge Haus. Henning Bochert liest bei der Release-Veranstaltung der Zeitschrift osteuropäischer Literatur BETON International. Veranstaltung von Literami und der GWZO

21.03.2019 19 Uhr Gastspiel von zwei Stücken aus EIN STÜCK: TSCHECHIEN 2018 sowie Autorengespräche und Buchvorstellung in der Schaubühne Lindenfels

22.03.2019 Barbora Schnelle: Buchvorstellung und Gespräch auf Rotem Sofa (Messegelände, Glashalle)

22.03.2019 DIE ALLGEMEINE VERUNSICHERUNG: Übersetzerempfang des Deutschen Übersetzerfonds in der Moritzbastei

23.03.2019 (20:00 bis 22:45) — Von Tieren, Menschen und Masochisten – ein Abend mit tschechischer GegenwartsdramatikSchauspielhaus Diskothek, Bosestr. 1, 04109 Leipzig

Das gegenwärtige tschechische Theater und Drama. Präsentation deutschsprachiger Publikationen, die im Jahr 2018 in Zusammenarbeit von Arts and theatre Institute Prag, Theater der Zeit und Drama Panorama herausgegeben wurden und Leseinszenierung des Theaterstückes von Petr Zelenka „Job Interviews (Vera)“. Autorengespräch mit Ondřej Černý, Martina Pecková Černá, Petr Zelenka, Barbora Schnelle, Kamila Černá und Anja Nioduschewski. Anschließend Autogrammstunde mit Empfang.

Von Tieren und Menschen – Neue Theaterstücke aus Tschechien

Václav Havels kürzlich wiederentdecktes Stück „Das Schwein“ ist die skurrile Geschichte seines Versuchs, ein Schwein für ein Festmahl zu bekommen – die Parabel einer Welt, in der Anstand und Höflichkeit vergeblich gegen Engstirnigkeit und Egoismus ankämpfen. „Olga“ von Anna Saavedra ist das berührende Porträt der Dissidentin und späteren First Lady Olga Havlová (1933–1996), der wichtigsten Vertrauten von Václav Havel, einer Frau von außergewöhnlicher innerer Stärke, Mut und Unabhängigkeit. In „Wunder im schwarzen Haus“ blickt Milan Uhde mit einem düster-komischen Blick auf eine zerstrittene Familie, ihre Illusionen und Missverständnisse, und führt uns zu den historischen Wurzeln all ihrer Probleme zurück. „Poker Face“ von Petr Kolečko ist eine Tragikomödie über die „Samtene Revolution“, über verlorene Illusionen, Politik und das Spiel um Geld, nicht nur beim Pokern. Petr Zelenkas „Věra“ ist die alternde Besitzerin einer Casting-Agentur, die erst ihre Familie und dann noch ihren Job verliert. Die Welt der Unterhaltung als Nukleus einer zynischen Gegenwart

Von Masochisten und Mamma Guerillas: Neue Tschechische Dramatik (Hrsg. von Barbora Schnelle unter Mitarbeit von Henning Bochert), Berlin, Neofelis 2018

Drama Panorama: Forum für Übersetzung und Theater e. V. stellt seit 2014 beim Festival tschechischer Gegenwartsdramatik Ein Stück: Tschechien in Berlin neue Theaterstücke in szenischen Lesungen und Gastspielen vor. Als Herausgeberin der Anthologie Von Masochisten und Mamma-Guerillas wählte Kuratorin Barbora Schnelle bereits beim Festival präsentierte Stücke und ergänzte sie um weitere Theatertexte. Die Themen reichen von der grotesken Darstellung von Ausbeutung in der globalisierten Arbeitswelt in Roman Sikoras Bekenntnis eines Masochisten über feministische Stücke der Dramatikerinnen Anna Saavedra und Kateřina Rudčenková und die Pro­blematik mehrsprachiger Beziehungen (Eva Prchalová) bis hin zu dokumentarischen Themen des Zweiten Weltkriegs wie in Tomáš Vůjteks Die Anhörung. Weiter wird der korrupte tschechische Politikertypus mit seiner Leiden­schaft für Bier und Gänsebraten parodiert (S.d.Ch.), die allgemeine Vertuschung der Dopingskandale der sozialistischen Sportler*innen bei einem Radiogespräch demontiert (David Drábek), es werden die Beziehungen zum aktuellen Heimat­begriff untersucht (David Zábranský) oder ironisch-utopische Strategien zur Erhaltung der tschechischen Kultur in Zeiten der globalen Migrationen entwickelt (Petra Hůlová).

Die hier versammelten Theaterstücke verkörpern Themen, die ganz aktuell auf den tschechischen Bühnen verhandelt werden. Sie zeugen von der Suche nach neuen sozial gerechten und gleichberechtigten Gesellschaftsmodellen, hinterfragen die tschechische und europäische Geschichte, betrachten kritisch die nationalen Befindlichkeiten und entlarven die leeren Worthülsen der aktuellen politischen Rhetorik.

Ein Update im deutschsprachigen Raum und zugleich der erste Band der neu gegründeten Reihe von übersetzten Theatertexten der Gegenwart: Drama Panorama.

22.03., 20.30 Uhr Polnisches Institut; 23.03. 12.00 Uhr Messegelände Forum Literatur – Andreas Volk wird mit der Buchpräsentation seiner und Saskia Herklotz‘ Krimiübersetzung von Der Rat der Gerechten, Heyne Verlag, der polnischen Krimiautorin Katarzyna Bonda auf der Messe sein.
Zwei Veranstaltungen: am im Polnischen Institut (Leipzig) und tags darauf auf der Messe im Forum Literatur (Moderation: A. Volk).

21.03. 15 Uhr Messegelände Halle 5 Stand H300 – Anna Opel stellt ihren Roman RUTH. MOABIT vor. Die junge Eritreerin Rahua hat einen langen Weg hinter sich, als sie mit vielen anderen Geflüchteten in Berlin Moabit ankommt. Noemi wohnt dort seit Jahren. Ihr Leben geht gerade in die Brüche. Rahua hat die Brücken in ihrer Heimat abgebrochen und ist in der Fremde auf sich allein gestellt. Zwei Frauen, zwei Lebenssituationen, existenziell und sehr verschieden. Wie können sie einander begegnen? Wo endet Hilfe, und wann beginnt Bevormundung? Und was bedeutet Heimat? Noemi nimmt Rahua auf, aus einer Zweckgemeinschaft entwickelt sich eine vorsichtige Freundschaft. Wie im Buch Rut aus dem Alten Testament erzählt Anna Opel die Schicksale der beiden aus der Perspektive der Frauen. Unprätentiös und lakonisch, die Erzählung einer überraschende Begegnung und eines Neuanfangs.

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