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Afropäerinnen 2#: Die große Bärin (Penda Diouf)

Foto © Leona Goldstein

„Wir nehmen die Form eines Tieres an, wenn wir aus der Sprache der Menschen ausgeschlossen sind. Entweder weil sie uns nicht zuhören. Oder weil sie das, was wir sagen, nicht als mündiges Sprechen anerkennen.“ Joann Sfar

So beginnt die französische Dramaturgin Penda Diouf ihr fantastisches Märchen „La grande Ourse“ („Die große Bärin“), das die Abgründe einer zeitgenössischen Gesellschaft beschreibt. Auf dem Nachhauseweg von der Schule lassen sich Mutter und Sohn kurz auf einer Bank nieder. Beim Aufstehen lässt die Mutter versehentlich ein Bonbonpapier auf den Boden fallen, eine Alltagssituation, die dramatische Folgen hat, denn kurz darauf wird sie von der Polizei zu Hause festgenommen. Das sich anschließende Verhör sorgt in seiner Absurdität zunehmend für Beklemmung. Die weißen Polizist*innen stellen die Schuldfrage, scheinen sie umzukehren, reden der Mutter ein schlechtes Gewissen ein und verdeutlichen damit einmal mehr die Ungleichbehandlung von Schwarzen im gesellschaftlichen System. Sie wird bekommt Hausarrest. Um ihrem Schicksal zu entkommen, beschwört die Mutter schließlich die Kräfte ihrer Ahnen und verwandelt sich in eine Bärin.

Das afrodeutsche Künstlerkollektiv Label Noir unter der Leitung der Berliner Schauspielerin und Regisseurin Lara-Sophie Milagro führt Regie bei diesem surrealistischen Märchen und sorgt dafür, dass der Text seine poetische und gleichzeitig gesellschaftskritische Kraft entfaltet, die er aus dem Nebeneinander verschiedenster Stimmen und Motive bezieht: die gesellschaftliche Norm, die Willkür der Justiz, rassistisch motivierte Diskrimination.

Im Anschluss an die szenische Lesung findet ein moderiertes Gespräch mit der Autorin Penda Diouf und ihrer Übersetzerin Yasmine Salimi statt.

Die szenische Lesung ist Teil der Veranstaltungsreihe „Afropéennes – Afropäerinnen“, in der sich vier Künstlerinnen auf unterschiedliche Weise dem Konzept der „Afropéanité“, einer afro-europäischen Identität widmen.

„Die große Bärin“: Szenische Lesung
Ein Abend mit Penda Diouf
FR. 9. Oktober 2020
– 20:00 Uhr Literaturhaus Lettrétage
Mehringdamm 61, 10961 Berlin

Regie: Lara-Sophie Milagro (Label Noir)
Übersetzung: Yasmine Salimi
Moderation: Charlotte Bomy/Lisa Wegener

Eintritt frei nach Anmeldung

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