„67/ 871“ bei den Theatertagen 2019 in Heidelberg

von Elena Gremina
Ensembles: Drama Panorama: Forum für Theater und Übersetzung e. V. & Theater Pokolenyi

Svetlana Smirnova | Foto: Olga Feldman

Die fast 1,1 Millionen Toten der Leningrader Blockade gehören zu den eher weniger beachteten Opfern des Nationalsozialismus. Diese große Tragödie bietet dem Theater auf unterschiedlichen Ebenen reiches Material für eine künstlerische Auseinandersetzung und ermöglicht mit Hilfe von Originaldokumenten ein Erfahrbarmachen von Geschichte. Grundlage des Theaterprojektes sind Interviews, Briefe, Tagebücher aber auch fiktionale Texte (Lidia Ginsburg, Danijl Granin) zum Mythos der Leningrader Blockade, von Elena Gremina zu einem Theaterstück verdichtet und von russischen und deutschen Künstler*innen auf der Bühne umgesetzt.
Es entstand eine multimediale Performance, die sich nicht nur als Beitrag zur historischen Forschung versteht, sondern in erster Linie zeigen soll, wie Geschichtsschreibung instrumentalisiert werden kann. Zielsetzung des Projektes ist es, auf künstlerischem Weg die unterschiedliche Wahrnehmung der Leningrader Blockade in Russland und Deutschland zu hinterfragen und transparent zu machen und so einen Beitrag zur Herausbildung von Geschichtsbewusstsein zu leisten. Dabei bearbeitete das Ensemble vor allem das Spannungsfeld zwischen der vorsätzlichen Nichtbeachtung und einer Instrumentalisierung als staatstragender Heldenepos der Leningrader Blockade.

Erinnerungen an Hunger. Dokumente des Vernichtungswahns. Überlegenheitsdenken, das in Mordfantasien mündet. Überlebensstrategien, die zu schier unmenschlichen Entscheidungen nötigen. Nazis, Sowjets, Menschen. 67/871 ist ein Theaterabend der Extreme.

Sonntag, 10. November 2019 | 19 Uhr | Kulturhaus Karlstorbahnhof Heidelberg
Eintritt 14 € Abendkasse

Spiel: Susanne Hoss, Elena Polyakova, Stepan Beketov, Aleksei Chuev, Svetlana Smirnova sowie die Stimme von Philon Griesel
Sounds: Simon Ho
Regie: Eberhard Köhler
Assistenz: Daria Malygina
Bühne/Kostüm: Danila Korogodsky
Dramaturgie: Yvonne Griesel
Historische Einführung: Andreas Rüttenauer
Übersetzung: Irina Bondas, Yvonne Griesel, Galina Klimowa
Technik/Regieassistenz Russland: Valentin Levitskiy
Licht: Stas Svistunovitch
Produktionsleitung: Barbara Anna Bernsmeier

Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ sowie der Bundeszentrale für politische Bildung.

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