Zu Gast aus Kanada

Evelyne de la Chenelière
| Foto: Julie Artacho
Evelyne de la Chenelière
| Foto: Julie Artacho

Evelyne de la Chenelière auf Tour in Deutschland und Österreich:

Lesungen und Vorträge in München, Berlin, Innsbruck und Salzburg – und eine deutschsprachige Erstaufführung!

Donnerstag, 1.11. – 19.30 Uhr
Von der Vielfalt monologischen Sprechens       
zweisprachige Lesung von Evelyne de la Chenelière im Rahmen der Veranstaltungsreihe Book and you im Ratatouille (Ackerstraße 2, 10115 Berlin)

Dienstag, 6.11. – 18.00 Uhr
Von der Vielfalt monologischen Sprechens
zweisprachige Lesung von Evelyne de la Chenelière und ihrer Übersetzerin Gerda Poschmann-Reichenau im Kanada-Zentrum Innsbruck

Mittwoch, 7.11. – 18.00 Uhr
La concordance des temps (Roman)
zweisprachige Lesung von Evelyne de la Chenelière und ihrer Übersetzerin Gerda Poschmann-Reichenau in der UNIPARK-Bibliothek Salzburg

Donnerstag, 8.11. – 19:30
Premiere Zwölfter September von Evelyne de la Chenelière
Eine Produktion von theater.direkt im OFF-Theater Salzburg
Im Anschluss an die Premiere Gespräch mit der Autorin und ihrer Übersetzerin
Weitere Vorstellungen am 14., 17., 22., 29.11.

Evelyne de la Chenelières Stück Des fraises en janvier (Erdbeeren im Januar) war vor sechzehn Jahren meine allererste Übersetzung – und gleich ein Riesenerfolg. Der Verleger Per H. Lauke hatte mir Stücke der hierzulande damals völlig unbekannten jungen Autorin aus Québec zum Lektorieren gegeben und mir dann die Übersetzung dieses Textes angeboten. 2003 erfolgte die deutschsprachige Hörspielproduktion (SR), ab 2004 ging eine Produktion der Theatergastspiele Kempf auf Tournee, es gab in den Folgejahren mehrere Wiederholungstourneen.

Die romantische Komödie bezieht ihren besonderen Charme daraus, dass der Protagonist aus seinem eigenen Leben und seiner (gescheiterten) Liebesgeschichte ein Drehbuch gemacht hat, dessen Szenen auf der Bühne immer wieder „eingeblendet“ werden. In diesem Drehbuch hat der Protagonist die Wirklichkeit verdreht, sie sich zurechtgebogen. Immer wieder muss er sich dann korrigieren, nach und nach schält sich heraus, wie es wirklich war, zugleich schreibt sich die Geschichte in der Gegenwart des Erzählers fort – das Ganze mit viel Charme und Witz und mit Happy End. Ein scheinbar harmloses Stück, das mich trotzdem von Anfang an fasziniert hat, weil die Autorin ein sensibler, liebevoller Blick auf ihre Figuren und in ihr Innerstes auszeichnet, wie man ihn nicht mehr häufig findet – und ein origineller dramaturgischer Zugriff, der zwischen Fiktion bzw. Illusion und Realität sowie zwischen verschiedenen Zeiten und vor allem subjektiven Sichten des Geschehenen oszilliert.

Evelyne de la Chenelière wurde 1975 in Montréal geboren und studierte in Paris Literatur und Theater. Heute lebt sie in Montréal, wo mit sie unglaublicher Produktivität fürs Theater schreibt und als gefragte Schauspielerin auf der Bühne sowie vor der Kamera steht.
Mit ihrem zweiten Stück Des fraises en janvier wurde sie in ihrer Heimat schlagartig bekannt. Seither hat sie über zwanzig Theatertexte sowie einen Roman geschrieben. Ihr Einpersonenstück Bashir Lazhar wurde 2011 unter dem Titel Monsieur Lazhar von Philippe Falardeau verfilmt und 2012 für einen Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert. Evelynes Stücke werden regelmäßig in Québec produziert, aber auch in viele andere Sprachen übersetzt (neben Deutsch: Katalanisch, Italienisch, Englisch, Griechisch, Spanisch, Niederländisch, Ungarisch und Schottisch) und in zahlreichen Ländern von Belgien bis Mexiko inszeniert.

In Deutschland wurden nach Des fraises en janvier auch Bashir Lazhar,  Le plan américain (Eine Frage der Einstellung) und Les pieds des anges (Die Füße der Engel) als Hörspiel produziert. Den Weg auf deutschsprachige Bühnen fanden bislang fünf ihrer Stücke (sowie eines als Lesung), die DSEA des sechsten, Septembre (12. September), findet am 8. November in Salzburg statt (https://www.off.theater/theater/was-wir-spielen/12-september-theaterdirekt). Insgesamt zehn ihrer Stücke habe ich mittlerweile ins Deutsche übersetzt, am elften arbeite ich gerade, meine deutsche Fassung ihres Erstlingsromans La concordance des temps soll im kommenden Jahr erscheinen.

Die Salzburger Premiere Anfang November habe ich zum Anlass genommen, die Autorin einzuladen. In Zusammenarbeit mit den Universitäten München (Theaterwissenschaft), Innsbruck und Salzburg (Romanistik), mit dem Kanadazentrum Innsbruck sowie Book and you Berlin, unterstützt von der AIEQ (Association internationale des études québécoises) sowie vom CCA (Conseil des Arts du Canada) haben wir eine zwölftägige Tournee mit Lesungen und Vorträgen durch Deutschland und Österreich organisiert. 

Als ihre Übersetzerin begleite ich Evelynes Weg nun seit vielen Jahren aus nächster Nähe. Die Entwicklung ihrer Themen und Dramaturgien beschreibt einen faszinierenden Weg nach innen. Die Autorin scheint besessen davon, das Unsagbare zum Ausdruck bringen zu wollen – Worte und Bilder zu finden für Un- und Vorbewusstes. Nicht umsonst führt der Weg zu ihrem in höchstem Grade (sprach-)philosophischen jüngsten Stück La vie utile auch über die Auseinandersetzung mit Werken von Virginia Woolf (Lumières, lumières, lumières / Lichter, Lichter, Lichter) und Marie Cardinal (Une vie pour deux / Ein Leben für zwei).

Erdbeeren im Januar ist mehrfach nachgespielt worden. Evelynes einziges Jugendstück L’héritage de Darwin (Darwins Erbe) wurde mittlerweile in Berlin, Linz und Stuttgart inszeniert. Le plan américain (Eine Frage der Einstellung) kam in Wien auf die Bühne des Theaters in der Drachengasse, Bashir Lazhar wurde in Salzburg als Produktion des theater.direkt realisiert, das jetzt auch für die DSEA von Zwölfter Septemberverantwortlich zeichnet. Schwierigere Stücke wie Ein Leben für zwei oder Lichter, Lichter, Lichter konnten im Rahmen von Québec-Festivals am Teamtheater München in szenischer Lesung gezeigt werden. Désordre public (Öffentliche Unordnung) wurde als äußerst beachtliche Werkstattinszenierung für die Studiobühne der Münchener Theaterwissenschaft inszeniert.

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