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Rückblick – Ein Stück: Tschechien: Nachlese 2026 – Tomáš Ráliš: Ophelia OnlyFans

Sonntag, 14. Juni 2026, ab 19 Uhr im Grünen Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Szenische Lesung des Stücks „Ophelia OnlyFans“ von Tomáš Ráliš, Gespräch und Party

Das Festival Ein Stück: Tschechien, veranstaltet von Drama Panorama e. V. ist eine seit 2014 bestehende Plattform für tschechisches Gegenwartstheater in Deutschland. In diesem Jahr wurde die Nachlese 2026 präsentiert – der Gewinner des Publikumspreises 2025 Tomáš Ráliš wurde mit seinem neuesten Stück „Ophelia OnlyFans“ dem Berliner Publikum vorgestellt, in der deutschen Übersetzung von Maira Neubert.
 

Blick in den Saal des Grünen Salons, Foto: Barbora Schnelle

Das Stück ist eine Auseinandersetzung mit dem bekannten Shakespeare-Stoff aus der Sicht von Ophelia, versetzt in die heutige Zeit, in der reale und digitale Welten miteinander verschmelzen. Hamlet ist hier lediglich eine Randfigur, der Fokus ist auf der Coming-of-Age-Geschichte von Ophelia. Ihre Mutter ist unter unklaren Umständen gestorben, ein Video der Sicherheitskamera taucht plötzlich auf Ophelias Handy auf. Ihr Vater Polonius, ein korrupter Politiker, scheint etwas zu verbergen und ist sofort nach dem Tod seiner Frau mit Ophelias Tante Claudia liiert. Schweigen, Inzest, Deep Fakes von Bruder Laertes, der Ophelia auf der Platform OnlyFans verkauft, viele Maulwürfe, die in der Erde wühlen und nach kompromittierenden Materialien suchen, und weitere dunkle Geheimnisse prägen das Stück, das gekonnt um die Hamlet-Motive satirisch kreist. Als DJ spielt Ophelia ihre Sets im angesagtesten Club Dänemark Else I Snore und sucht nach der richtigen BPM für Traurigkeit.

Das Stück, das sowohl poetische Szenen als auch grotesken Schlagabtausch beinhaltet, wurde im Grünen Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in szenischer Lesung vorgestellt. Für Regisseur Eberhard Köhler war es bereits die dritte Begegnung mit einem Stück von Tomáš Ráliš (nach Sorex 2023 und Ausgewohnt 2025). Er bespielte den ganzen Raum des Grünen Salons – von der Bühne über den Mittelraum bis zur Bar. Die vier Schauspieler*innen Thea Rasche, Naomi Abukha, Sascha Vajnstajn und Henning Bochert wechselten nach dem Prolog ihre Kostüme und Rollen und kehrten erst zum Schluss in die ursprüngliche Besetzung zurück. Dies schaffte ein Framing zur Handlung, die ins Digitale abdriftet und zum Schluss wie in einem Loop zur Ausgangssituation zurückkehrt.

Links Naomi Abukha als Ophelia, rechts Thea Rasche als Claudia, Foto: Katrin Unarová

Vorne links Noami Abukha als Ophelia, rechts der Regisseur Eberhard Köhler, der zugleich den H spielte, Foto: Mathilda Schnelle

Für das Bühnenbild und Kostüme war Danila Korogodsky zuständig, der farbige Muster für jede Rolle entwickelte und den ganzen Raum mit Netzen voller Äpfel behing. Erst als sich die Maulwürde zum Kompromat durchbuddeln, werden die Netze durchgeschnitten und die Äpfel überfluten den Raum. Sie dienen angebissen als Yorick-Schädel oder zum Jonglieren. Eine szenische Lesung von Eberhard Köhler ist immer eine kleine Inszenierung – das Publikum vergisst sehr schnell, dass die Schauspieler noch Texte in der Hand halten.

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierte die Festivalleiterin Barbora Schnelle mit dem Autor Tomáš Ráliš und seiner Übersetzerin Maira Neubert. Ráliš erläuterte, dass sein Stück eine Reaktion auf eine Flut von Hamlet-Inszenierungen auf tschechischen Bühnen war und er den Stoff aus der Perspektive einer anderen Familie betrachten wollte. Maira Neubert sprach darüber, welche Rolle die Verifizierung der Übersetzung im Probenprozess spielt. Das Publikum stellte viele Fragen nach der Originalinszenierung, die in der Regie von Tomáš Ráliš im Theater Divadlo Komedie in Prag läuft und sehr junges Publikum ins Theater lockt.

Von links: Barbora Schnelle, Tomáš Ráliš und Maira Neubert, Foto: Katrin Unarová

DJ Liarosa, Foto: Katrin Unarová

Der Abend endete mit einer Afterparty, auf der DJ Liarosa ihre Sets spielte. Liarosa alias Rosalie Malinská ist tschechische Schauspielerin und Musikerin der Band Viah, die in der Prager Inszenierung die Rolle der Ophelia spielt. Somit wurde auch dem Berliner Publikum sehr anschaulich vermittelt, welcher Beat im Club Else I Snore zu hören ist.

Tomáš Ráliš: Ophelia OnlyFans – szenische Lesung

Aus dem Tschechischen von Maira Neubert

Regie: Eberhard Köhler
Bühne/Ausstattung: Danila Korogodsky
Dramaturgie: Barbora Schnelle, Henning Bochert
Es spielen: Naomi Abukha, Henning Bochert, Thea Rasche, Alexandr Weinstein

Im Anschluss: Publikumsgespräch mit dem Autor und seiner Übersetzerin Maira Neubert

Afterparty mit DJ Liarosa aus Prag

Das Festival Ein Stück: Tschechien, veranstaltet von Drama Panorama e. V., ist eine Plattform für tschechisches Gegenwartstheater in Deutschland und findet seit 2014 in Berlin statt. Es stellt aktuelle tschechische Inszenierungen als Gastspiele vor und präsentiert szenische Lesungen aktueller Stücke tschechischer Gegenwartsdramatiker*innen, deren Texte eigens für das Festival ins Deutsche übersetzt und als Urlesungen präsentiert werden. Viele der für das Festival übersetzten Stücke wurden in Buchform in der Reihe Drama Panorama im Neofelis Verlag veröffentlicht.

Künstlerische Leitung und Produktion Barbora Schnelle und Henning Bochert

Weitere Einzelheiten zu der Veranstaltung finden Sie im Archiv der Website von Drama Panorama:

Bilder aus der szenische Lesung von Ophelia OnlyFans von Tomáš Ráliš

Sascha Vajnstajn und Henning Bochert, Foto: Mathilda Schnelle
Thea Rasche und Henning Bochert, Foto Mathilda Schnelle
Von links: Sascha Vajnstajn, Thea Rasche, Eberhard Köhler, Henning Bochert und Naomi Abukha, Foto: Mathilda Schnelle
Von links: Sascha Vajnstajn, Thea Rasche und Naomi Abukha, Foto: Mathilda Schnelle
Tomáš Ráliš und seine Übersetzerin Maira Neubert
Inszenierungsteam: von links: Maira Neubert, Barbora Schnelle, Danila Korogodsky, Sascha Vajnstajn, Eberhard Köhler, Thea Rasche, Naomi Abukha und Henning Bochert. Foto: Drama Panorama

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Jahres der tschechischen Kultur in den deutschsprachigen Ländern statt, das anlässlich des Ehrengastauftritts Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2026 organisiert wird. Alle Informationen zum Gastauftritt unter https://czechia2026.com/

Gefördert vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, von der Mährischen Landesbibliothek Brno, vom Czech Literary Centre und Dilia z. s. In Zusammenarbeit mit dem Grünen Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und dem Kombinat, dem Tschechischen Zentrum Berlin und der Botschaft der Tschechischen Republik in Berlin.

Die Übersetzung des Stücks Ophelia OnlyFans von Tomáš Ráliš ins Deutsche wurde von EURODRAM: Verein für Theater und Übersetzung e. V. und Dilia z. s. gefördert.

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