Podiumsdiskussion und Lesungen: Mehrsprachige Dramatik im zeitgenössischen Theater

English Theatre Berlin | International Performing Arts Center, 06.09.22 [Uhrzeit folgt]

Derzeit gibt es auffällig viele Autor*innen, die mehrsprachige Stücke schreiben und dafür Anerkennung finden. So gewann Sivan Ben Yishai mit ihrem mehrsprachigen Stück Wounds Are Forever (Selbstportrait als Nationaldichterin) 2022 den wichtigsten Preis für bislang dezidiert deutschsprachige Gegenwartsdramatik, den Mülheimer Dramatikpreis. Doch welchen Weg nehmen mehrsprachige Texte in einer Theaterkultur, die traditionell an der deutschen Sprache als dominanter Schrift- und Literatursprache orientiert ist? Kann mehrsprachiges Schreiben den Theater- und Literatur-Kanon verändern? Was bedeutet die zunehmende Mitarbeit von Übersetzer*innen an mehrsprachigen Originaltexten für den Begriff eines „deutschsprachigen Theaters”? Wie verhält sich der Begriff der Mehrsprachigkeit zum Begriff der Diversität?

In unserem Podiumsgespräch reden wir mit den Autor*innen, Übersetzer*innen und Theatermacher*innen Elise Wilk, Ian De Toffoli und Thomas Perle über die Bedeutung mehrsprachiger Theatertexte im zeitgenössischen Theater. Und wir blicken zusammen in die Zukunft und fragen, welche neuen Formen des Schreibens für Theater aus einer mehrsprachigen Produktions- und Aufführungspraxis entstehen könnten und wie umgekehrt mehrsprachige Theaterstücke, die nicht für eine bestimmte Inszenierung an einem bestimmten Ort geschrieben wurden, eine erst noch bevorstehende Transformation des Theaters vorwegnehmen. Wir überlegen, welche Rolle Übersetzer*innen in der multilingualen Theaterpraxis und Textarbeit spielen werden und diskutieren die Möglichkeit eines translatory turn in der Theaterwissenschaft. Gefragt wird nach der Bedeutung mehrsprachiger Dramatik u. a. auch in Luxemburg und Rumänien. Gemeinsam zeichnen wir so ein differenziertes Bild mehrsprachigen Schreibens für die Bühne als politische Strategie und ästhetisches Verfahren.

Die Diskussion ist mit kurzen szenischen Lesungen neuer mehrsprachiger Theatertexte verbunden. So wird erfahrbar, welches theatrale Potenzial multilinguales Schreiben hervorbringt und entfalten kann.

Zurück zur Hauptseite.


Gäste Podiumsgespräch

Elise Wilk ist eine der meistgespielten Dramatiker*innen der jüngeren Generation in Rumänien. Sie wuchs zweisprachig (deutsch und rumänisch) in Brașov/Siebenbürgen auf. 2008 erhielt sie für ihr erstes Stück Es geschah an einem Donnerstag den rumänischen Dramatikpreis „dramAcum”. Seitdem werden ihre Stücke sowohl in Rumänien als auch im Ausland inszeniert und wurden bisher in zwölf Sprachen übersetzt. Sie übersetzt Theaterstücke aus dem Deutschen ins Rumänische und ist Mitglied des deutschsprachigen Komitees von Eurodram.

© Alexandra Bordeianu
© Volker Schmidt

Thomas Perle ist Autor und Dramatiker und ist als solcher in Österreich, Deutschland und Rumänien tätig. Für seine Prosa und Dramatik erhielt er zahlreiche Preise und Stipendien. 2018 erschien sein Prosadebüt wir gingen weil alle gingen. im Verlag edition exil. 2019 gewann er mit seinem Stück karpatenflecken den Retzhofer Dramapreis, das 2021 am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt wurde, wo er Teil des Autor:innenateliers war. Er wurde in Rumänien geboren und wuchs dreisprachig in Deutschland auf, sein Lebensmittelpunkt ist Wien.

Ian De Toffoli, geboren 1981 in Luxemburg als Sohn einer italienisch-luxemburgischen Familie, ist Schriftsteller, Dramatiker und Literaturwissenschaftler. Er ist Autor von Theaterstücken, die in mehreren europäischen Ländern aufgeführt, veröffentlicht und übersetzt werden, von einer Doktorarbeit sowie von wissenschaftlichen Artikeln und literarischen Beiträgen in internationalen Zeitschriften. Er schreibt in mehreren Sprachen, hauptsächlich aber auf Französisch. Ab der Spielzeit 2022/23 ist er Associate Artist an den Théâtres de la Ville de Luxembourg.

© Alain Rischard

Eine Veranstaltung von Drama Panorama: Forum für Übersetzung und Theater e. V. im Rahmen des Projekts panorama #2: übertheaterübersetzen, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und den Deutschen Übersetzerfonds im Rahmen des Programms Neustart Kultur. In Zusammenarbeit mit der taz.

In Kategorie: