Ein Stück: Tschechien 2026 – Frankfurt-Spezial

Szenische Lesung von „Trollmama“ von Hana D. Lehečková |
v. l.:
Niklas Brubach, Thea Rasche, Henning Bochert, Hannah Ley | Foto: Astra Zoldnere

Anlässlich des tschechischen Auftritts auf der Frankfurter Buchmesse 2026 wird am 10. Oktober 2026 eine Festivalsonderausgabe Ein Stück: Tschechien: Frankfurt-Spezial 2026 im Internationalen Theater Frankfurt am Main präsentiert.

Trollmama / Ausgewohnt / Spottschau

Kritisch, queer und aktuell – drei szenische Lesungen tschechischer Gegenwartsdramen von Hana D. Lehečková, Tomáš Dianiška und Tomáš Ráliš im Rahmen des Festivals Ein Stück: Tschechien: Frankfurt-Spezial 2026, mit Buchpräsentation

Szenische Lesungen tschechischer Gegenwartsdramatik und Präsentation der Anthologie der tschechischen Gegenwartsdramatik Am Wannenrand (Berlin, Neofelis 2026), hrsg. von Barbora Schnelle in der Buchreihe „Drama Panorama“.

Tomáš Ráliš: Ausgewohnt (orig. Vyhubyt, aus dem Tschechischen von Maira Neubert)

Das Stück beschäftigt sich mit dem Thema Gentrifizierung des aktuellen Wohnungsmarktes und den Problemen der jungen Generation, eine Wohnung zu finden, in der sie eine Familie gründen kann. Ein junges Paar sieht sich zu immer absurderen Schritten gezwungen, um eine Wohnung mieten zu können, die sich nach und nach als schimmelige Bruchbude entpuppt, vom agilen und skrupellosen Makler jedoch als Luxus präsentiert wird. Die Wohnung wird jedoch dringend benötigt, denn in der leicht surrealen Handlung des Stücks sind inzwischen mehrere Kinder auf einmal geboren worden. Neben der Wohnungskrise behandelt das Stück mit Elementen des schwarzen Humors auch Themen wie den Kinderwunsch in der heutigen Welt, Partner- und Familienbeziehungen, den ständigen Leistungsdruck am Arbeitsplatz und die Notwendigkeit des beruflichen Aufstiegs, sowie Ageismus und Klassismus. Der Motor des Geschehens ist die kapitalistische Maschinerie, in der alles durch Angebot und Nachfrage geregelt wird. Und so beschließt auch das junge Paar, sich auf einen gewagten Tauschhandel einzulassen. Das Stück erhielt den Ewald-Schorm-Preis 2023.

Hana D. Lehečková: Trollmama (orig. Trollí matka, aus dem Tschechischen von Barbora Schnelle)

Tomáš Dianiška: Spottschau (orig. Transky, body, vteřiny, aus dem Tschechischen von Barbora Schnelle)

Das Stück ist inspiriert von der Lebensgeschichte der erfolgreichen Leichtathletin Zdena Koubková (1913-1986), die bei der Geburt fälschlicherweise zu einem Mädchen erklärt wurde. Koubková wurde in der damaligen Sportwelt als „Wonderwoman“ gefeiert und erzielte mehrere Weltrekorde (u. a. im 800-Meter-Lauf der Frauen). Im Jahr 1936 identifizierte ein Arzt sie als intersexuell, sie unterzog sich einer Geschlechtsumwandlung und wurde Zdeněk Koubek. Dianiškas Stück beschreibt neben dem Schicksal der Hauptfigur auch die Welt der 1930er Jahre mit ihrem zunehmenden Faschismus, durchdrungen von Homophobie, Transphobie und Geschlechterstereotypen. In seinem tragikomischen Stück präsentiert der Autor ein Mosaik aus wichtigen Momenten aus Zdeněk Koubeks Leben. Erfolgreiche sportliche Meilensteine wechseln sich mit emotionalen und intimen Momenten ab, die schließlich zu einem starken Coming-out der Hauptfigur führen. Die Inszenierung des Stücks am Petr-Bezruč-Theater in Ostrava gewann den Preis der Theaterkritik 2019 in den Kategorien Inszenierung des Jahres und Tschechisches Gegenwartsstück. Das Stück wurde 2024 sehr erfolgreich auch in New York aufgeführt.

Datum: 10.10.2026 | 20:00 Uhr
Ort: Internationales Theater Frankfurt

Regie: Eberhard Köhler
Bühnen/Ausstattung: Danila Korogodsky
Dramaturgie: Barbora Schnelle, Henning Bochert
Es spielen: Naomi Abukha, Henning Bochert, Thea Rasche, Alexander Weinstein

Veranstalter: Drama Panorama: Forum für Übersetzung und Theater e. V.

Künstlerische Leitung/Produktion: Barbora Schnelle und Henning Bochert

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