MEDUSA – Die Stücke und Autor*innen

Im Mittelpunkt des Medusa-Projektes steht die zeitgenössische Dramatik und die Förderung ihrer Verbreitung in Europa durch Übersetzungen, mit einem Schwerpunkt auf Stimmen, Perspektiven und Erzählungen, die auf den großen Bühnen nach wie vor unterrepräsentiert sind. Durch einen gemeinsamen internationalen Prozess der Auswahl, Übersetzung, des künstlerischen Austauschs und der öffentlichen Präsentation zielt MEDUSA darauf ab, die Rolle des Theaters als Ort des Dialogs, der Vielfalt und der gesellschaftlichen Reflexion zu stärken.

Foto: Hendrik Wolter

Das Projekt ist nach der mythischen Figur der MEDUSA benannt, doch seine Vision ist in der Gegenwart verankert: Raum für Stimmen, Identitäten und Geschichten zu schaffen, die innerhalb vorherrschender kultureller Rahmenbedingungen oft als schwierig, marginal oder bedrohlich angesehen werden. Während der Mythos der Medusa von Angst erzählt – Angst vor weiblicher Macht, Angst vor dem Anderssein, Angst vor dem, was sich nicht leicht kontrollieren lässt –, fragt das Projekt, wie diese Ängste heute weiterhin wirken. Womit tun sich heutige Gesellschaften noch immer schwer, sich direkt auseinanderzusetzen? Welche Themen werden nach wie vor vereinfacht, zum Schweigen gebracht oder ausgeschlossen? Welche Geschichten bleiben am Rande des öffentlichen und künstlerischen Lebens?

Nach der Auswahl einer Shortlist im Mai 2026, wurde in einer Residenz in Domicella, Italien sechs Stücke aus Bulgarien, Deutschland und Italien durch einer internationalen Observatory ausgewählt. Neben den thematischen Schwerpunkten war auch die kulturelle Übertragbarkeit der Texte ein wichtiges Kriterium: Was ermöglicht es einem Text, über seinen lokalen Kontext hinaus zu wirken? Kann ein Theaterstück, das beim italienischen Publikum großen Anklang findet, das Publikum in Bulgarien oder Deutschland ebenso begeistern? Gibt es Theaterformen, die sich nur sehr schwer oder gar nicht über Grenzen hinweg übertragen lassen? In diesem Sinne war auch der gesamte Auswahlprozess ein bereichernder Austausch zwischen Theater- und Kulturschaffende über die zentralen Themen und Formen in ihren jeweiligen Ländern und Theaterszenen.   

Die MEDUSA-Auswahl 2026

  • Natalie Baudy (Deutschland) – under the influence oder: die rückkehr der bakchen
  • Teodora Georgieva (Bulgarien) – СИЛНИ. СМЕЛИ. СТРАХОВИТИ. (Strong. Brave. Fearsome.)
  • Silva Marinova (Bulgarien) – ДЕБЕЛАКЪТ (FATASS)
  • Tatjana Motta (Italien) – Notte Bianca (White Night)
  • Alessandro Paschitto (Italien) – Sesso (Sex)
  • Lena Riemer (Deutschland) – aufstiegskörper. ein fühlversuch

Alle sechs Stücke werden im Laufe des Projekts ins Deutsche, Italienische, Bulgarische und Englische übersetzt. In Deutschland werden sie im Rahmen des MEDUSA-Festivals vom 5. bis 7. November 2026 im Roten Salon der Volksbühne als szenische Lesungen präsentiert (mehr Infos und Karten hier).

Die Auswahl erfolgte durch die internen und externen Mitglieder des transnationalen MEDUSA Observatory: Stefania Bruno (En Kai Pan, Italien), Charlotte Bomy (Drama Panorama e. V., Deutschland), Valentina Curatelli (freie Schauspielerin und Regisseurin, Italien), Gergana Dimitrova (36 Monkeys, Bulgarien), Monica Marotta (Das Kombinat e. V., Deutschland), Silvia Petrova (EURODRAM BG Foundation, Bulgarien), Paola Rotta (freie Regisseurin, Italien) und Anelia Yaneva (Dramaturgin, Ivan Vazov National Theatre, Sofia, Bulgarien).

Für die deutsche Shortlist wurden folgende Texte ausgewählt:

  • Natalie Baudy – under the influence oder: die rückkehr der bakchen
  • Lisa Danulat – OTA. Trauma und Fraktur
  • Sarah Kilter – Mysteryland
  • Mehdi Moradpour – Die Verhandlung der Träume
  • Mazlum Nergiz – 1000 Eyes
  • Lena Riemer – aufstiegskörper. ein fühlversuch

Die deutsche Jury bestand aus Charlotte Bomy (freie Kuratorin und Theaterübersetzerin/Drama Panorama), Monica Marotta (Programmleiterin, Grüner Salon der Volksbühne Berlin/Das Kombinat), Maxi Obexer (Theaterautorin/NIDS) und Yunus Ersoy (Dramaturgie, Schauspiel Hannover).


MEDUSA wird aus dem EU-Programm Creative Europe gefördert und in Partnerschaft von Das Kombinat mit Drama Panorama (DE), En Kai Pan (IT), Casa del Contemporaneo (IT), 36 Monkeys (BG) und Eurodram BG (BG) umgesetzt. Das MEDUSA Festival Berlin wird von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt kofinanziert.

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