Afropéennes – Afropäerinnen

literarisch-performative Veranstaltungsreihe mit Theatertexten aus Frankreich und Belgien

© Leona Goldstein

Mit insgesamt vier szenischen Lesungen präsentiert der Verein Drama Panorama: Forum für Übersetzung und Theater in Zusammenarbeit mit u.a. Label Noir und der Lettrétage eine literarisch-performative Veranstaltungsreihe. In verschiedenen Berliner Spielstätten laden die Veranstalterinnen zwischen März und November 2020 zu öffentlichen Paneldiskussionen, szenischen Lesungen und Performances. Im Mittelpunkt stehen vier eigens ins Deutsche übersetzte Texte von vier Autorinnen (Penda Diouf, Eva Doumbia, Rébecca Chaillon, Laetita Ajanohun), die sich das Konzept der „Afropéanité“, einer afro-europäischen Identität, auf unterschiedliche Weise künstlerisch aneignen.

Programm

WHITEWASHING (Rébecca Chaillon)
Performance
SA. 14. März 2020 – 20:30 Uhr Am Flutgraben 3

In Französisch mit deutschen Übertiteln
Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch mit der Regisseurin Rébecca Chaillon statt. 

Text und Regie: Rébecca Chaillon, Aurore Déon et al.
Technik: Myriam Adjalle
Verwaltung/Produktion: Mara Teboul – L’œil écoute
Übersetzung/Übertitel/Moderation: Lisa Wegener
Verdolmetschung: Anna Bodenez

Ausgehend von dem Begriff, der das Vorgehen beschreibt, (reale oder fiktionale) ethnisierte nicht-weiße Figuren von weißen Schauspieler*innen spielen zu lassen, beschäftigt sich Chaillon mit dem Weißwaschen sogenannter Hautfarben. Die Arbeit bildet die zweite Etappe ihrer Produktion Carte Noire nommée Désir (Uraufführung für Frühling 2021 geplant) und erforscht das ambivalente Verhältnis einer Schwarzen Frau zwischen ihrer Position als Raumpflegerin (Putzfrau) in einem mehrheitlich weißen Gefüge und der Pflege des eigenen Körpers, des eigenen Ich. Die Performerin nimmt multiple Identitäten zum Ausgangspunkt für ihre gewagte und grenzüberschreitende Performance.

DIE GROSSE BÄRIN (Penda Diouf)
Szenische Lesung
FR. 9. Oktober 2020 – 20:00 Uhr Lettrétage

In deutscher Sprache
Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch mit der Regisseurin, der Autorin und der Übersetzerin statt. 

Regie: Lara-Sophie Milagro
Übersetzung: Yasmine Salimi
Moderation: Charlotte Bomy/Lisa Wegener
Verdolmetschung: Anna Bodenez

La Grande Ourse („Die große Bärin“) von Penda Diouf ist ein Bühnentext in Form eines fantastischen Märchens, das die Abgründe einer zeitgenössischen Gesellschaft beschreibt: Eine Mutter wird von der Polizei festgenommen, weil sie ein Bonbonpapier auf die Straße geworfen hat. Obwohl die Anschuldigung absurder nicht sein könnte, kommt es zur Verurteilung. Um ihrem Schicksal zu entkommen, beschwört sie die Kräfte der Natur, um sich in eine Bärin zu verwandeln.

Die Schauspielerin/Autorin/Regisseurin Lara-Sophie Milagro des afrodeutschen Künstler*innenkollektivs Label Noir übernimmt die Regie und sorgt dafür, dass der Text seine poetische, surrealistische und gesellschaftskritische Kraft entfaltet, die er aus dem Nebeneinander verschiedenster Stimmen und Motive bezieht: die gesellschaftliche Norm, die Willkür der Justiz, rassistisch motivierte Diskrimination.

LOVE IS IN THE HAIR (Laetitia Ajanohun)
Szenische Lesung
DO. 22. Oktober 2020 – 20:00 Uhr Lettrétage

In deutscher Sprache
Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch mit der Regisseurin, der Autorin und der Übersetzerin statt.

Regie: Miriam Ibrahim
Übersetzung: Yvonne Griesel
Moderation: Charlotte Bomy/Lisa Wegener

Love is in the hair ist so etwas wie eine Partitur gegen das Schweigen. Es sprechen die Stimmen Schwarzer Frauen und Männer, die in Frankreich leben. In rhythmischen Dialogen entspannt sich eine Debatte über Rassismus im Job, in Beziehungen, im öffentlichen Raum: eine vielstimmige Zeug*innenschaft mit als verbindendem Motiv die Erfahrung, auf ethnisierende Zuschreibungen reduziert zu werden und das Gefühl des Fremdsein in einem Land, in dem sich afropäische Menschen noch immer nicht zuhause fühlen können.

Ein Projekt von Drama Panorama: Forum für Übersetzung und Theater e.V.
Partner*innen: Lettrétage, Label Noir
Gefördert durch: Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Institut français Deutschland, Stiftung Preußische Seehandlung

LE IENCH – DER KÖTER (Eva Doumbia)
Szenische Lesung
DO. 19. November 2020 – 20:00 Uhr Lettrétage

In deutscher Sprache
Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch mit der Regisseurin, der Autroin und der Übersetzerin statt.

Regie: Dela Dabulamanzi
Übersetzung: Akilah Güç
Moderation: Charlotte Bomy/Lisa Wegener
Verdolmetschung: Anna Bodenez

Le Iench (L’Avant-scène théâtre, 2017) erzählt die Geschichte einer Familie malischer Herkunft in einer Siedlung in der französischen Provinz. Der älteste Sohn, Drissa, wünscht sich seit seiner Kindheit einen Hund. Doch der Alltag, sei es in der Schule, in der Disko oder auf der Straße, hält für einen Schwarzen Jugendlichen im heutigen Frankreich weit weniger Erfreuliches bereit. Die Szenen eines alltäglichen aber bewegten Lebens wechseln sich ab mit einer Litanei von Namen und Daten jener Jungen, die unter den Schlägen der französischen Polizei zu Tode gekommen sind.

Für weitere Informationen: afropeennes.drama-panorama.com