Welttheater verstehen – Übertitelung, Einsprechen und andere Krücken

Ein Gespräch über die Bedeutung von Sprachübertragung auf der Bühne bei internationalen Gastspielen
 
 
16-18 Uhr Drama-Panorama-Café
Übertitelung zwischen Kunst und Pragmatik  
Übertitelung ist ein pragmatischer künstlerischer Prozess, der im Theater zwischen Dramaturgie, Technik und Regie angesiedelt ist. Ein runder Tisch soll Gelegenheit geben, über Besonderheiten und Chancen der Übertitelung sowie über ihre Probleme, aufkommende rechtliche Fragen u.ä. zu sprechen. Einbezogen werden Vertreter verschiedener Theaterbereiche ebenso wie der Jurist Jan Ehrhardt, der auf Urheberrecht spezialisiert ist und für den Verband Deutscher Bühnen- und Medienverlage tätig ist. Moderation: Yvonne Griesel.
 

(Werkstatt für Theaterübersetzer, im HAU3)
 

19.30 – 21.00 Uhr Podiumsdiskussion

(Öffentliche Veranstaltung für alle Interessierten auf der Bühne von HAU 3)

Diskutiert wird mit wichtigen Repräsentanten der unterschiedlichen Methoden des Sprachtransfers bei internationalen Gastspielen:
Yvonne Büdenhölzer (Wiesbadener Biennale, Berliner Stückemarkt) für das simultane Einsprechen,
Stefan Schmidtke (ehem. Leiter Theaterformen, leitender Dramaturg am Schauspiel Düsseldorf) für das Dolmetschen auf der Bühne,
Isolde Schmitt für das Kabinendolmetschen (Wiener Festwochen),

David Maß (Übertitler, Begleiter des europäischen Theaterzuges) für das Übertiteln,

Tobias Veit (Künstlerische Produktionsleitung, Schaubühne Berlin)

 
Internationale Gastspiele sind fester Bestandteil unserer Spielpläne. Aber was ist mit der Sprachbarriere? Kann man dem Publikum eine fremdsprachige Inszenierung verständlich machen? Ist Übertitelung die beste Übertragungsform? Was bieten Simultandolmetschen, Synopsen und andere Alternativen? Müssen Übertitelung und die anderen Formen des Sprachtransfers Krücken sein oder können sie auch künstlerischer Bestandteil der Inszenierung sein? Wo liegen die Chancen und wohin führt der Weg? Viel Spaß beim Diskutieren!
 
Einführung und Moderation: Yvonne Griesel (Übertitlerin und Autorin des Buches: Die Inszenierung als Translat. Möglichkeiten und Grenzen der Übertitelung. Berlin 2007. / Translation im Theater. Berlin 2000.)
 
Eintritt frei
 
Anschließend laden wir zu einem kleinen Umtrunk ein.
 
ORT
 
HAU3
Hebbel am Ufer
Tempelhofer Ufer 6
Berlin
 
Die Veranstaltung wird gefördert vom Deutschen Literaturfonds und dem ITI Germany.

GÄSTE

Yvonne Büdenhölzer 1977 in der Nähe von Köln geboren, studierte Germanistik und Pädagogik (Abschluss: Magister) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Sie arbeitete als Regie- und Dramaturgieassistentin an verschiedenen Theatern und in der Freien Szene sowie bei der Theaterbiennale Neue Stücke aus Europa in Bonn und Wiesbaden. An der Freien Universität Berlin unterrichtet sie seit 2005 als Lehrbeauftragte im Studiengang der Angewandten Literaturwissenschaft. Im Oktober 2009 hat sie gemeinsam mit Iris Laufenberg ein Symposium bei den Berliner Festspielen zur Zukunft der zeitgenössischen Dramatik initiiert und konzipiert. In der Spielzeit 2009/10 leitete sie als Festivalmanagerin und Mitglied der Künstlerischen Leitung (gemeinsam mit Tankred Dorst, Ursula Ehler und Manfred Beilharz) die Theaterbiennale Neue Stücke aus Europa in Wiesbaden und Mainz. Seit 2005 ist Yvonne Büdenhölzer Künstlerische Leiterin des Stückemarktes beim Theatertreffen der Berliner Festspiele.

Jan Ehrhardt, Dr. jur., Rechtsanwalt in Berlin, seit 1989 geschäftsführender Justiziar des Verbandes Deutscher Bühnen- und Medienverlage, juristischer Berater der Berufsgruppe der Bühnenverleger in der Verwertungsgesellschaft Wort, in verschiedenen Gremien im Zusammenhang mit der Künstlersozialversicherung.

Yvonne Griesel geboren in Genf, Dolmetscherin, Übersetzerin und Übertitlerin aus dem Russischen und Französischen. Sprachübertragung und Übertitelung von Theaterinszenierungen für nationale und internationale Festivals. Dramenübersetzungen, literarische und wissenschaftliche Übersetzungen für HenschelSchauspiel, Alexander Verlag und andere. Promotion zur Theaterübertitelung an der Humboldt Universität Berlin. Mehrjährige Lehrtätigkeit und Veröfentlichungen. (Die Inszenierung als Translat (2007), Translation im Theater (2000), deutsch-englisch-und französischsprachige Aufsätze.) 2007 DAAD Postdoc Stipendium bei ART-Straßburg) und Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds.

David Maß gründete 2006 die Kleine Internationale Theater Agentur (KITA), die auf Übersetzungen und Übertitel spezialisiert ist. Feste Kooperationspartner in Berlin sind u.a. das HAU, die Schaubühne, die Volksbühne und die Berliner Festspiele. Ist viel auf nationalen und internationalen Festivals unterwegs, da Sprachvermittlung immer dort vonnöten ist, wo Grenzen überschritten werden. Träumt davon, dass der Übertitler als unverzichtbarer Teil des künstlerischen/technischen Teams gesehen wird und als solcher immer mit der Produktion reist. Freut sich, dass das Bewusstsein bei Künstlern, Theatern und Festivals für die Bedeutung von guten Übertiteln und dessen Anteil am Gelingen eines Gastspiels in den letzten Jahren gestiegen ist.

Stefan Schmidtke studierte Regie in Moskau. Im Jahr 2000 kuratierte er die Sommerakademie des „Festival THEATERFORMEN/Kunstfest Expo 2000“. Seit 2001 arbeitet er als freier Dramaturg am Staatstheater Stuttgart und als Kurator der Veranstaltungsreihe „forumfestwochen ff“ der Wiener Festwochen. Nach der Neupositionierung des Festivals THEATERFORMEN Hannover/Braunschweig 2006, leitete er dessen Ausgaben 2007 und 2008. Er war Berater der Stiftung Europäische Kulturhauptsstadt Tallinn 2011. Schmidtke hat zahlreiche Theaterstücke aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt.

Isolde Schmitt arbeitet seit Jahren als Übertitlerin und Dolmetscherin fest für die Wiener Festwochen. Außerdem arbeitet sie als freiberufliche Konferenzdolmetscherin, Übersetzerin, Über- und Untertitlerin sowie als Lektorin an den Universitäten Graz und Wien. Eben fertiggestellt: Übersetzung eines Buches über Marcel Duchamps für den Piet Meyer Verlag/Basel (erscheint im Herbst 2010) und zweier Kinderbücher (Neufassung/Enzyklopädie „In 80 Tagen um die Welt“; „Die drei Musketiere“, erschienen im Herbst 2010 beim Verlag für Schule und Wissenschaft, Wien). Diplomdolmetscherin für Französisch und Russisch (Universität Wien). 1992: Abschluss des ersten Studienabschnitts der Rechtswissenschaften (cand. iur.)

2004: Abschluss des feministischen Grundstudiums, 4 Semester) mit dem Titel „akademische Referentin für feministische Bildung“.

Fotos: Kamila Zimmermann

2010_Welttheater Programm PDF