Gabriel Ochoa: La(s) Guerra(s) Correcta(s)

„Gerechte Kriege“ heißt der jüngste theatralische Text von GABRIEL OCHOA, dessen Uraufführung in Madrid im Teatro del Barrio in der Regie des Autors einen durchschlagenden Erfolg erzielen konnte.

von Hedda Kage

Iñaki Gabilondo (Journalist)
Iñaki Gabilondo (Journalist)

Meisterlich, wie es dem Autor mit vier brillanten Schauspielern, vier roten Stühlen und zwei roten Telefonen vor schwarzem Aushang gelingt, das Handgemenge von Politik-Theater-Medien szenisch so unaufwendig und zugleich so scharf in Situationen und Dialogen zu konturieren, dass der 20 Jahre zurück liegende Fall nichts von seiner Brisanz  eingebüßt zu haben scheint, wie die einhellig begeisterten Reaktionen sowohl bei der Presse wie beim Publikum beweisen.
Thema des Stückes ist das moralisch und realpolitisch inkompatible Verhältnis von Demokratie und Staatsterrorismus. Ohne denunzierende Attitüde und nicht ohne bitteren Humor exekutieren die Darsteller des Präsidenten, des Journalisten, des Parteivorsitzenden und des TV-Direktors, die Rituale formaler Verschleierungen, Entschuldigungen, Verdrehungen angesichts unstrittiger Fakten wie eine körpersprachliche Enthüllungschoreografie ihrer von Interessen geleiteten jeweiligen Positionen.
Knapp 20 Jahre ist die wieder errungene und labile Demokratie in Spanien alt, mit einem erfolgreichen und international hoch angesehenen sozialistischen Staatspräsidenten an ihrer Spitze, als ein 30-minütiges Interview im staatlichen Fernsehen zur Primetime zwischen Felipe González und dem renommierten Journalisten Iñaki Gabilondo zum „Watergate“ für Felipe González wird.
Die Nation – mit einer exorbitanten Einschaltquote – schaut zu und begreift, wie sich aus der routinierten Eloquenz ihres Präsidenten, befragt nach seinem Wissen über die ruchbar gewordenen dubiosen Verhörmethoden im „schmutzigen Krieg“ der vorrangig zur Terrorabwehr auf die ETA angesetzten Spezialeinheit (GAL) – das Skelett der Lüge herauszuschälen beginnt. Der Einbruch des Vertrauens schlägt sich im Absturz der Wählergunst bei den nachfolgenden Wahlen nieder. Die Sozialisten verlieren, und so kommen Aznar und die PP an die Macht. Jahre später versucht Felipe Gonzalez vergeblich in einem Privatgespräch mit Iñaki Gabilondo, seine damals für alternativlos gehaltene Position anhand von Tagebucheintragungen zu rechtfertigen. Angewidert und erschüttert zugleich weist der Journalist darauf hin, dass der tödliche Fehler in der fatalen Annahme liege, es gäbe so etwas wie „gerechte Kriege“.

Die Personen des Stückes:

IÑAKI GABILONDO, Journalist
FELIPE GONZÁLEZ, Staatspräsident
JORDI GARCÍA-CANDAU, Generaldirektor des Staatlichen Fernsehens
ALFREDO PÉREZ RUBALCABA, Staatsminister und Regierungssprecher

Autor/Regisseur Gabriel Ochoa in einem Vorwort:

Ich konnte Jordi García–Candau (den damaligen Fernsehdirektor) und Iñaki Gabilondo über dieses Interview und seine Folgen befragen. Am Ende des Gesprächs mit Iñaki sagte er zu mir: „Wenn Du mit Felipe sprichst, ruf mich bitte an. Ich möchte wissen, was er denkt.“ Bis zum heutigen Tag warte ich darauf. Weder Felipe González noch Alfredo Pérez Rubalcaba, der Felipe bei diesem Interview begleitete, haben mich empfangen.

Fast 20 Jahre später werde ich bei diesem Interview den Gedanken nicht los, dass alles so ablief, wie es in dieser Fiktion geschildert wird, nur alles, was darin geschieht, ist reine Erfindung. Und auf dieser Ebene sollte es auch bleiben.

Im Februar 2014 präsentierte Drama Panorama das Theaterstück BEGEHREN UND LUST des aus Valencia stammenden Autors Gabriel Ochoa in einer szenischen Lesung im Theatersalon im Kusntquartier Bethanien, Berlin, erstmals in deutscher Übersetzung von Hedda Kage und Eduard Bartoll einem deutschen Publikum.

 

CV_OCHOA